| |
Akustische Kost der grundsätzlichen Art - bis auf die teilweise hanebüchenen Liedtexte.
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: 25 Lieder (Audio CD) Auf den Tenor Ian Bostridge bin ich bei der Ph. Herreweghe-Einspielung des Mozart-'Requiem' aufmerksam geworden, und diese Schubert-Lieder haben meinen guten Eindruck bestätigt.
Lieder höre ich selten, und wenn, dann bin ich auf eine ruhige, geerdete (um die natürliche Ruhelage schwingende) Stimme angewiesen - theatralisch divergierendes, angespanntes Geschreie jagt mich in die Flucht, ebenso: sinnlose Akzentuierungen mancher Silben.
Subjektive Einschätzung: ich mag es nicht, wenn der Sänger / die Sängerin sich selbst in den Vordergrund drängen, so wie (teilweise) der überartikulierende Fischer-Dieskau (nach dem Motto: Achtung, hier singe ich!) oder die Grande Dame Glaciale E. Schwarzkopf, derer Stimme meist so eingekapselt klingt, als hätte sie gerade einen Bottich mit flüssigem Stickstoff passieren müssen (in den Ophelia-Liedern von Strauss hört sie sich eher wie Ophelias Psychiaterin an).
Ian Bostridge hat eine sehr vernünftige Art zu singen, alles durchdacht und emotional, aber mit Maß. Seine Stimme vermittelt eine anziehende Mischung aus sehr guter Technik und eine Art Verletzlichkeit, Zurückgenommenheit - Gefühle eben. Wenn man einen heute verpönten Ausdruck benutzen darf: diese Stimme strahlt eine vornehme Männlichkeit aus (leise, aber robust, die Kraftreserven wirkungsvoll angedeutet).
Ihm nehme ich ab, dass er singt, weil er nicht anders kann. Anders formuliert, er hat etwas zu sagen, und das Singen ist seine effektivste Art, dies zu tun. Deutliche Aussprache, das Deutsch wirkt nicht extra einstudiert, sondern sicher und schön. Je öfter man hinhört, desto anziehender wird sein Gesang.
Klavier & Sänger harmonieren meines Erachtens sehr gut. Viele der Texte hören sich leider recht antiquiert bis abstrus an, aber so ist es nun mal.
Unvermeidliche Einsicht: auch der so genannte Dichterfürst war manchmal mehr brutaler Wortquäler denn geschickter Versschmied - und so hämmert, säbelt und zieht er zurecht, bis es halt ins Metrum passt.
Dennoch: der Gesamteindruck stimmt. Meine Favoriten: 'Ganymed', 'Nacht und Träume'. Der 'Erlkönig' super gemeißelt, letzte Silbe meines Erachtens verpatzt, ist aber reine Ansichtssache.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 12. August 2009 |